Der Wanderfalke

Der Wanderfalke

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Horstwahl:

Der Wanderfalke baut nie ein eigenes Nest, sondern nutzt immer vorhandene Brutmöglichkeiten. Dieses Verhalten ist allen Falken zu eigen.Während der Wanderfalke in der baumlosen Tundra Nordeuropas oder sogar an der Nordseeküste also beispielsweise in flachen Bodenmulden brütet, nutzt er in den weiten Wälder Osteuropas Baumhorste anderer Vogelarten – Kolkrabe, Bussard oder Habicht - zur Brut. In weiten Teilen Mitteleuropas, aber auch an felsigen Abschnitten der Atlantikküste werden dagegen traditionell vorwiegend Felsen zur Brut genutzt.
Das einzelne Wanderfalkenpaar ist in der Wahl seines Brutplatzes allerdings nicht frei. Genetisch ist bei allen Wanderfalken offensichtlich eine gewisse Neigung zu Felsbrutplätzen festgelegt. Diese Neigung wird durch Prägung im Nestlings- oder Flüggealter entweder fixiert - oder auch erweitert. Unter Prägung versteht man einen Lernprozeß, der sich in einer genetisch festgelegten „sensiblen Phase“ im frühesten Jugendalter vollzieht und irreversibel ist. Ein Wanderfalke, der an einem Felsbrutplatz flügge geworden ist, wird ebenfalls wieder an Felsen brüten – das genetisch vorgegebene Habitatmuster wurde in diesem Fall durch die Prägung auf das Bruthabitat „Fels“ fixiert - oder sich ggf an einer Gebäudbrut beteiligen.Jungvögel aus Fels- oder Gebäudebruten wurden auch jeweils schon am anderen Bruthabitat als Brutvogel bestätigt. Wichtige Kriterien - für Fels- und Gebäudebrüter - sind Wandhöhen von mind. 30 Metern ,freier Anflug und eine entsprechend große Bruthöhle ( häufig genügt auch ein geschütztes Felsband ). Als Brutplatz werden Felsen aller Art - die den oben genannten Anforderungen entsprechen - angenommen: von Steinbrüchen bis zu Felsen im Mittel- und Hochgebirge.

Das Spektrum an Brutplätzen für Gebäudebrüter umfasst Industriekamine, Kirchtürme, Autobahnbrücken und Hochhäuser - hier sind die Falken jedoch fast immer auf bereitgestellte Nisthilfen angewiesen.
Ein Wanderfalke, der aus einem Baumhorst ausgeflogen ist, kann dagegen durchaus auch an Felsen brüten - aber eben auch in Baumhorsten. Das genetisch vorgebene Habitatmuster „Fels“ wird bei diesen Jungfalken durch Prägung um das Habitatmuster „Baumhorst“ erweitert.

Sind Gebäudebruten beim Wanderfalken keine Seltenheit mehr,so werden in den letzten Jahren Ansiedlungen an Strommasten - dort meist in alten Krähennestern - gemeldet.Die Prägung der Jungvögel solcher Mastenbruten ist bislang noch nicht hinreichend erforscht.

Siedlungsdichte/
Reviergröße:

Bei optimalen Verhältnissen und günstigem Brutplatzangebot kann die Siedlungsdichte mitunter sehr hoch sein. Entfernungen von 2km - oder weniger - zwischen den Horsten sind dort durchaus möglich. Nur wenige hundert Meter im Horstumfeld werden von beiden Partnern energisch gegen Artgenossen verteidigt. Die Jagdreviere dehnen sich jedoch weiter aus - pro Paar dürfte die durchschnittliche Reviergröße bei ca. 30km2 liegen.

Balz/Paarbildung:

Die eigentliche Balz des Wanderfalken beginnt in Mitteleuropa in der Regel ab Mitte Februar. Allerdings ist auch schon im Herbst und – weniger deutlich – im ganzen Winterhalbjahr Balzverhalten zu beobachten.
Die Herbstbalzperiode kann deshalb schon wichtige Hinweise auf die Besiedlung eines Wanderfalkenbrutplatzes im nächsten Frühjahr ergeben. Nach der Winterpause, in der sich die Reviervögel nur selten an den Brutplätzen zeigen, stellt sich meist der Terzel als erster wieder am Brutplatz ein, bald darauf auch das Weibchen. Vor allem in den frühen Morgenstunden bestehen dann gute Möglichkeiten einen der Revierinhaber oder beide Vögel am Brutplatz bzw. auf Ansitzwarten und Rupfkanzeln (Felszinnen, markante dürre oder abgebrochene Bäume) in der Umgebung des Brutfelsens zu bestätigen. In den letzten Wochen vor Brutbeginn (aber auch in der Herbstbalz) sind auch immer wieder die typischen Balzflüge zu beobachten: Sturzflüge wechseln mit anschließendem Aufsteilen, spielerischen Verfolgungsszenen – der Terzel stößt auf das Weibchen herunter, das sich auf den Rücken wirft – und längerem Kreisen in großer Höhe ab. Zu dieser Zeit ziehen die Brutpartner auch häufig gemeinsam auf Jagd.

Brutbeginn:

Anfang bis Mitte März - ausnahmsweise schon Ende Februar (überwiegend bei normaler Witterung zwischen 10. und 15. März, in höheren Lagen geringfügig später). Einjährige Weibchen legen etwa 4-5 Wochen später, zweijährige Weibchen noch bis zu 2 Wochen später als ältere Weibchen.

Gelegegrößen/Bruterfolg:

3-5 (in der Regel 4) Eier
Legeabstand:2 Tage
Gelegegröße und Bruterfolg hängen sowohl mit dem Alter der Partner wie auch mit der Art des Brutplatzes zusammen.Während junge Weibchen/Paare häfig geringeren Bruterfolg haben,sind "eingespielte" Paare oft konstant erfolgreich.Sehr seltene 5er Gelege wurden bislang nur in Nistkästen bei Gebäudbruten nachgewiesen.

Hier gibt offenbar der in puncto Sicherheit und Ungestörtheit optimale Brutplatz den Ausschlag zu größeren Gelegen und höherem Bruterfolg.
Normale Erfolgsrate:2,5 Jungvögel/Paar und Jahr

Brutdauer:

32 Tage - beginnend am dritten Ei

Brutverlauf:

Etwa ab Mitte Februar entwickelt das Weibchen eine immer stärkere Bindung an den Brutfels, verlässt ihn immer seltener und wird dort auch schon vom Terzel mit Beute versorgt. Im Laufe des März – in seltenen Fällen auch schon Ende Februar - scharrt das Weibchen eine flache Mulde im Horst aus, in die meist vier braunrote, knapp hühnereigroße Eier gelegt werden. Vor allem in den seltenen Fällen, in denen einjährige Weibchen schon verpaart sind, kann das Gelege aber auch nur ein oder zwei Eier umfassen. Diese sind dann auch häufig nicht befruchtet, da ein hoher Prozentsatz der einjährigen Weibchen zwar schon ein vollständiges Balzverhalten bis hin zu Kopula und Eiablage zeigt, aber jedoch noch nicht geschlechtsreif ist. Bei Bruten unter Beteiligung einjähriger Weibchen oder bei Neuansiedlungen mit längerer Anpaarungsphase kann sich der Brutbeginn auch bis in den April, im Extremfall auch noch bis in den Mai verschieben. Inwieweit der Terzel sich an der Brut beteiligt, ist von Paar zu Paar sehr verschieden. In manchen Paaren beteiligt sich der Terzel fast gar nicht am Brutgeschehen, bei anderen lässt sich alle zwei Stunden ein regelmäßiger Brutwechsel beobachten. Nachts brütet allerdings wohl meist nur das Weibchen, das dann meist noch kurz vor Sonnenaufgang vom Terzel abgelöst wird. In diesem Rahmen spielt sich dann meist auch die erste Beuteübergabe des Tages ab. Nach 32 Tagen Brutzeit schlüpfen zwei bis drei, seltener vier und in Ausnahmefällen sogar fünf Jungvögel. Während der nun folgenden rund 40-tägigen Nestlingszeit hudert das Weibchen die Jungen zunächst fast rund um die Uhr. Der Terzel jagt währenddessen und versorgt das Weibchen. Dieses legt den Jungen das Futter in kleinen Bröckchen vor, bis diese in der Lage sind selber zu „kröpfen“. Später, wenn der Wärmehaushalt der Jungvögel stabiler ist, tragen dann beide Altvögel Nahrung herbei.

Jugenentwicklung:

Beim Schlupf tragen die Jungen das schneeweiße und haarartige 1. Dunenkleid. Die Augen sind beim Schlupf noch geschlossen und auch erst ab dem 4. Tag völlig geöffnet. Die juv. reagieren in diesem Alter auf Rufe der Altvögel mit Heben des Kopfes und leisen Bettellauten. Bei Abwesenheit des Altvogels drängen sich die Jungvögel zusammen und schlafen die meiste Zeit. Zwischen dem 4. und 8. Tag beginnen die juv., nicht nur auf Geräusche sondern auch auf den Anblick des Altvogels zu reagieren. Bis etwa zum 8. Tag werden die Jungen regelmäßig über längere Zeit vom Weibchen gehudert (umso kürzer je mehr Junge).
Ab dem 8. Tag beginnen „Komfortbewegungen“ wie Gähnen, Kratzen, Flügelstrecken und erste Flügelschläge. Die Jungen beginnen in diesem Alter auch, dem Altvogel dargereichte Beute abzunehmen (davor „sperren“ sie nur), sitzen aber immer noch auf den Fersen.. Etwa 2 Wochen nach dem Schlupf ist das oberseits grau-weiße, unterseits weißliche und watteartig flockige 2. Dunenkleid vollständig. Zu dieser Zeit schieben sich auch schon die ersten Blutkiele an Wangen und Schultern hervor. Die Jungvögel werden tagsüber kaum noch gehudert.
Mit etwa 17 Tagen sind die Spitzen der Schwanz- und Schwungfedern zu erkennen. Ab etwa dem 20. Tag füttern beide Altvögel, davor nur das Weibchen. Mit 22 bis 23 Tagen können die Jungvögel stehen und schlagen auch oft mit den Flügeln Mit 4 Wochen sind Handschwingen und Stoßfedern weit entwickelt. Die Jungfalken zerreißen kleine Beutetiere schon selbständig bzw. entreißen den Altvögeln Beutestücke, anstatt von ihnen gefüttert zu werden. Sie folgen auch schon dem Flug der Altvögel mit den Augen und betteln bei ihrem Anblick um Futter. Die Jungvögel schlafen weniger, sonder üben schon regelmäßig Laufen und Flügelschlagen. Nach 5 Wochen ist das Jungendkleid weitgehend vollständig, nur noch mit noch nicht ausgefallenen Dunen durchsetzt. Mit etwa 5 - 6 Wochen fliegen die Jungen aus (Terzel meist früher als Weibchen). Anschließend folgen etwa 6 bis 7 Wochen Bettelflugperiode.

Sterblichkeit:

Im ersten Lebensjahr: 50-60%
in weiteren Lebensjahren 10-25%

Wanderungen:

Mitteleuropäische Wanderfalken der Nominatform Falco p. peregrinus sind Stand- und Strichvögel, machen also als adulte Tiere – entgegen ihrem Namen – meist keine größeren Wanderungen mehr durch. Sie verlassen zwar während des Winterhalbjahrs oft für längere Zeit den Brutplatz und streifen auf Nahrungssuche in größerem Umkreis umher. Einen regelrechten Zug machen aber nur die Jungvögel in ihrem ersten Winter durch. Dieser führt sie meistens bis Frankreich, nach Großbritannien oder auf die Iberische Halbinsel.
Anders die nordeuropäischen Populationen: Diese verlassen im Winter ihre Brutgebiete am Polarkreis und ziehen südwärts. Vertreter der etwas größeren und helleren nordischen Rasse Falco peregrinus calidus überwintern häufig auch bereits in unseren Breiten und sind hier während des Winterhalbjahres neben unseren heimischen Brutvögeln zu beobachten.

Quellen:
div. Literatur zum Thema "Wanderfalke"
- ergänzt mit eignene Erfahrungen und neuen Erkenntnissen

Bildmaterial:
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1-Wanderfalkenjahr

2-Paarung

3-Brutübergabe

4-junge Nestlinge

5-14 tage alte Jungv.

6-erster Flug